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One Word Sculptures

Klickt man im Internet auf 1000plus.org, die website des Künstlerduos 1000& bestehend aus Irmgard Siepmann und Martin F. Hahnl, dann wird man unter anderem einen Satz des französischen Malers Jean François Millet finden. Millet galt im 19. Jahrhundert als einer der führenden Künstler der so genannten „Schule von Barbizon“, einer Gruppe französischer Landschaftsmaler. Der Satz lautet folgendermaßen:

„Jedes Thema ist gut. Es handelt sich nur darum, es mit Kraft und Klarheit wiederzugeben. In der Kunst muss man einen Hauptgedanken haben, diesen Gedanken muss man mit Beredsamkeit aussprechen, man muss selbst an seine Wahrheit glauben und diese Wahrheit den anderen mitteilen mit der Schärfe eines Prägstocks.“

Ich denke, dass sich 1000& bei ihrem Projekt der „One Word Sculptures“ an genau diesen Satz von Millet halten. Was den Titel des Projekts angeht, so ist er an die „One Minute Sculptures“, welche der international bedeutende österreichische Künstler Erwin Wurm seit dem Jahr 1997 entwickelt, angelehnt. Geht es Wurm unter anderem darum, die Grenzen zwischen Skulptur und Aktion zu verwischen und die Mitglieder des Publikums, die zu Akteuren werden, in seine Aktionen mit einzubeziehen, so versteht das Duo 1000& Wörter als zu untersuchende, respektive zu formende Objekte. Der Aspekt der Skulptur steht für die Künstler im Vordergrund.

„Unsere Arbeiten knüpfen an visuelle Erwartungen an und machen gesellschaftliche Sachverhalte sichtbar, entstellen sie sozusagen zur Kenntlichkeit“, heißt es im „Mission statement“ von 1000&. Und weiter: „In der heutigen Gesellschaft geht es darum schnell zu sein. Dabei verliert man sich oft in der Oberflächlichkeit. Das Künstler-Duo sucht den zweiten Blick.“

Bei diesen Untersuchungen sowie Formungen kommen 1000& zu ganz stringenten Ergebnissen. In dem Wort „abhanDENgeKommEN“ zum Beispiel spüren sie das „Denken“ auf. Es geht ihnen bei ihrer Arbeit gleichsam darum, „das Denken zu befreien“ wie sie selber sagen und auch darum, jeden selbst sein Bild finden zu lassen.

Und nicht nur auf den zweiten Blick scheint es manchmal so, als ob uns durch die stetig wachsende Beschleunigung des gesellschaftlichen Lebens das Denken, für das man ja bekanntlich Zeit braucht, abhanden kommt. 1000& formulieren ihre Gesellschaftskritik kurz und prägnant, wollen mit ihren Arbeiten, und das nicht erst seit den „One Word Sculptures“ ganz bewusst zum Denken anregen.

Die „One Word Sculptures“ werden über mehrere Medien verbreitet. Plakate mit einem ausgewählten Set von sieben Wortskulpturen (scHEITERn, LiEBE, böRse, HAIraten, REichTUM, scHmERZ, IndiviDUAList) waren in der Landeshauptstadt Klagenfurt im Vorfeld der 35. Tage der deutschsprachigen Literatur auf öffentlichen Plakatflächen zu sehen.

1000& haben aber auch ein ca. 10 Minuten dauerndes Video mit einem größeren Sample an Wortskulpturen produziert. Das Video ist im Robert-Musil-Literatur-Museum in Klagenfurt zu sehen.

Die beiden KünstlerInnen stellen sich sozusagen „quer“ zur gesellschaftlichen Entwicklung und sehen das zentrale, bestimmende Treibmittel unserer Gesellschaft, nämlich das „Geld“ unter anderem als „TraumGEbiLDe“. Und wenn sie das Wort „Aktie“ dem Wort „mAKkulaTurpapIEer“ einschreiben, dann erinnern sie uns daran, wie schnell A unter Umständen zu B werden kann.

Wie schon die Verwendung des Wortes „scHEITERn“ andeutet, wohnt dem Projekt einerseits etwas Schwebendes, Leichtes inne, auch eine gewisse Selbstironie: Wenn man schon scheitert, dann heiter, was im Grunde genommen den wenigsten gelingen wird. Andererseits ist die gesellschaftliche Relevanz unübersehbar.

In dem erwähnten Video ist auch eine Wortskulptur zur Thematik des Terrors enthalten: „tERROR“ heißt es da lapidar. Das ist eine gültige Erkenntnis, die der Realität sehr nahe kommt. Oder anders gesehen: eine Skulptur, die für jene Worte, welche uns angesichts der aktuellen Anschläge in Norwegen und anderswo fehlen, stehen könnte. Gleiches gilt für eine weitere Skulptur, die sich der Thematik der „spRACHE“ annimmt, wenn man bedenkt, dass der mutmaßliche Attentäter in Norwegen seine Taten, die am 22. Juli 2011 Realität werden sollten, unter Pseudonym in einer Art „Manifest“, das nicht weniger als 1.516 Seiten umfasst, und wenige Stunden vor den Terrorakten per e-mail an verschiedene Adressaten verschickt wurde, gleichsam „vorformuliert“ hat.

So können wir die Arbeit von 1000& nicht nur als Anregung, sondern vielmehr als dringende Aufforderung verstehen dafür zu sorgen, dass uns das DENKEN nicht abhandenkommt!

 


28.7.11 10:04

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