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Youth Quake

Vor dem Amtsantritt des gegenwärtigen US-Präsidenten Donald Trump, des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, am Freitag, dem 20. Januar 2017, habe ich mich, ehrlich gesagt, mit dem Begriff der „Fake News“ nicht wirklich auseinandergesetzt – wahrscheinlich deshalb, weil dafür keine Notwendigkeit bestand. Aber auch das sind gleichsam schon Fake News, weil die Notwendigkeit dafür selbstverständlich bestand! 

"Die Macht der Fake-News“ ist der Titel eines Beitrags für SPIEGEL.tv, den Sie im Internet auf der gleichnamigen Website jederzeit nachsehen können. In der näheren Beschreibung dieses Beitrags heißt es: „Obama ist nicht in den USA geboren. Den Klimawandel gibt es nicht: Mit solchen Verschwörungstheorien war der [ künftige ] US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf erfolgreich.“ Fake-News waren ein wesentlicher Faktor in diesem Wahlkampf des Jahres 2016, in dem es, zumindest aus meiner Sicht, in erster Linie darum gegangen ist, potentielle Wählerinnen und Wähler von Hillary Clinton, der Kandidatin der Demokratischen Partei, davon abzubringen für Mrs. Clinton zu stimmen. Und mit diesem Ansinnen war man – korrekterweise müsste man an dieser Stelle wohl MANN mit zwei N schreiben – höchst erfolgreich. Viele US-Amerikaner glaubten wohl auch, dass ihnen die Demokratische Partei ein wenig viel zumutete, mit einer Frau als Präsidentschaftskandidatin, nach dem ersten farbigen Präsidenten.

Auf der Website von SPIEGEL.tv. spricht man/frau auch vom „Wahlkampf im postfaktischen Zeitalter“. Diese von mir bisher ins Spiel gebrachten, wenigen Stichwörter reichten natürlich vollkommen aus, um für Irmgard Siepmann und Martin F. Hahnl, die gemeinsam das Künstlerduo 1000& sind, mehr als 1000 Notwendigkeiten – von Anregungen möchte ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen – für künstlerische Interventionen zu bilden. Diese Interventionen mündeten in der vorliegenden Ausstellung in der Galerie der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler – kurz BV genannt – in Klagenfurt. Denn 1000& bezeichnen die eigene Arbeit, und wohl auch die eigene Arbeitsweise, ja als „Kunst der Auseinandersetzung“. In ihren Werken beschäftigen sich die beiden mit gesellschaftsrelevanten Themen. Das war aber schon lange vor der Ausstellung, die im Herbst 2012 in dieser Galerie stattgefunden hat, bekannt. Damals fragten die beiden, nicht nur auf sprachliche Sonderbarkeiten wie „Fake News“ immer sehr sensibel reagierenden Künstler, „wARuM“. Gut, dass diese Frage schon gestellt war, bevor das von SPIEGEL.tv so genannte „postfaktische Zeitalter“ angebrochen war.

Denn wARuM sollte ein amerikanischer Präsident eigentlich von „America First“ sprechen, gerade so, als ob sein Vorgänger die Vereinigten Staaten nicht an der ersten Stelle seiner „Agenda“ gehabt hätte – und dessen Vorgänger auch nicht. Trumps Motto „America First“ ist schon einmal verwendet worden, nämlich vom America First-Comittee, welches 1940 in den USA gegründet worden war, um die Vereinigten Staaten aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten

Einige prominente Unterstützer des "America First Comittee", erklärte der US-Historiker Gary Gerstle, der eine Professur an der Universität Cambridge innehat, in einem Interview mit der Deutschen Welle, hätten allerdings "antisemitische Tendenzen und Sympathien für Hitler und die Nazis" bekundet, "allen voran der Flugpionier Charles Lindbergh". "Als Lindberghs Affinität zu den Nazis bekannt wurde", so Gerstle weiter, "ruinierte das nicht nur seinen Namen für alle Zeit, die ganze Bewegung geriet in Verruf." Seither wollte lange Zeit, muss man jetzt sagen, kein Politiker mehr mit dem America First Committee in Verbindung gebracht werden. Dabei glaube er gar nicht, dass Trump mit den Nazis sympathisiere oder wie Lindbergh für Hitler schwärme. Gerstle sieht "darin eher eine Kombination aus Trumps Ignoranz und seiner Cleverness, ganz bewusst provokative Slogans zu wählen" (1

Vielleicht kann man das als eines der Kennzeichen des „postfaktischen Zeitalters“ sehen: es geht in erster Linie darum, in einem vielstimmigen medialen Konzert die lauteste Stimme zu erheben, und nicht mehr darum, was diese Stimme von sich gibt, oder auch twittert. Es ist natürlich kein Wunder, dass 1000& bei diesem Motto „einhaken“ und intervenieren. Nicht nur in der Geburtsstadt von Ingeborg Bachmann ist die Bemerkung erlaubt, dass die Wahrheit dem Menschen selbstverständlich zumutbar bleibt, auch im 21. Jahrhundert. So, wie es eine Tatsache ist, dass Barack Hussein Obama II, der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii, auf die Welt gekommen ist, in jenem Bundesstaat, der seit dem Jahr 1959 der 50. Bundesstaat der USA ist. Daran hat sich, soweit ich das beurteilen kann, auch nach dem 20. Januar 2017 nichts geändert. Leider hat sich auch am Klimawandel in den letzten beiden Jahren nichts geändert, auch wenn Donald Trump, allerdings schon im Jahr 2012, twitterte die Idee des Klimawandels sei "von den und für die Chinesen erfunden, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden". In einer der TV-Debatten gegen Hillary Clinton bestritt Trump, solches je gesagt zu haben. Das wiederum war leicht als Fake News erkennbar, was dem alten Tweet zu enormer Popularität verhalf.

Wollen wir nicht auch Cleverness beweisen und einen ganz bewusst provokativen Slogan wählen? Ist das alles, was der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika veranstaltet, vielleicht als ein großes, gleichsam kathartisches Projekt, zu verstehen, ohne dass es bisher als solches erkennbar gewesen wäre? Ein Projekt, an dessen Ende die Erkenntnis stehen wird, dass Politik auf diese Art, wie sie seit Anfang 2017 vorgeführt wird, nicht mehr betrieben werden kann? Ein ganz und gar in Sprache umgesetztes Projekt, das mehrheitlich bei TWITTER stattfindet

Sehen wir uns den besagten Tweet noch einmal genau an: „The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive“ heißt es da bei TWITTER, um 21:15, am 6. November 2012. Und bei dieser Äußerung handelt es sich keineswegs um Fake News. Er ist von Donald J. Trump verfasst worden, von keinem Faketrump, sondern von the @realDonaldTrump

Und so ist es kein Wunder, dass noch während dieses große, gleichsam kathartische, sprachliche Projekt, auf welches das Künstlerduo 1000& mit seiner Ausstellung wie mit einem roten Pfeil aufmerksam macht, etwas in Bewegung kommt, was mit dem Titel „Youthquake“ benannt wird

Und nach all dem, was bisher gesagt wurde, verwundert es nicht, dass es nicht der 45. US-amerikanische Präsident ist, der unsere ganze Aufmerksamkeit beansprucht, sondern eine 16-jährige schwedische Schülerin namens Greta Thunberg. Und dies deshalb, weil sie sich schlicht an die Fakten hält. Die Asian Dub Foundation, eine britische elektronische Alternative-Band, die mit politischen Texten arbeitet, hat eine Rede von Greta Thunberg unter dem Titel YOUTH QUAKE PT1 (GRETA SPEAKS) umgesetzt. Sie finden das entsprechende Video auf YOUTUBE. Die Asian Dub Foundation ruft alle Musiker und Musikerinnen, DJs, Klimaschutzaktivisten und
–aktivistinnen sowie verwandte Seelen auf ihrer Website dazu auf, sich zu engagieren und Greta Thunbergs Worte, welche die Situation, in dem sich der Planet Erde befindet, faktisch exakt bezeichnen, zu verbreiten und die Musik gleichsam als „Waffe“ einzusetzen: „We have come here to let you know, that change is coming, whether you like it or not. (...) We want out hopes and dreams back!“

(1) Die dunkle Vergangenheit von Trumps "America first". [ US-Historiker Gary Gerstle im Interview mit Michael Knigge für die Deutsche Welle ], vgl.
https://www.dw.com/de/die-dunkle-vergangenheit-von-trumps-america-first/a-19228226

 

12.6.19 12:19

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