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KLEINE ZEITUNG (Klagenfurt), 6. November 2007 | Kärnten | Seite 15  

MUSIL GEHT UM DIE WELT

Heimo Strempfl (44) aus St. Veit leitet seit der Gründung das „Robert Musil-Literatur-Museum“. In diesen Tagen ist ihr Zehn-Jahr-Jubiläum.

Keiner ist so brutal-satirisch über die Bücherwelt hergefallen wie Nina Hagen in ihrem Hit TV-Glotzer: „Ich fass’ kein Buch mehr an. Literatur? Da wird mir übel, würg würg!“

Schade! Hätte sie das Robert-Musil-Literatur-Museum in Klagenfurt besucht, wären ihr solche Unverfrorenheiten nicht so leicht über die knallroten Lippen gekommen. In diesen Tagen feiert das Museum sein Zehn-Jahr-Jubiläum – und genau so lange ist Heimo Strempfl sein leidenschaftlicher Leiter: „Musil gehört zu den großen Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts. Er lässt einen nicht mehr los. Sein ,Mann ohne Eigenschaften’ ist für viele – wie Bruno Kreisky – ein Lebensbuch, das man immer wieder liest und immer wieder neu versteht.“

Heute vor 127 Jahren wurde Musil in diesem Haus, Bahnhofstraße 50, geboren. Der promovierte Germanist Strempfl freut sich über Musil-Freunde in aller Welt: „Mal kommt ein koreanischer Chemie-Ingenieur, mal sind Literaturliebhaber aus Japan oder Amerika zu Gast.“

Vor allem aber kommen immer wieder Besucher aus Kärnten zu spannenden Lesungen und Vorträgen (gratis) ins Museum, das von der Stadt unterhalten und vom Musil-Institut der Universität intellektuell befruchtet wird. „Bei uns kann man das Schlaf- und Arbeitszimmer von Christine Lavant ebenso besichtigen wie Dokumente, Fotos, Notizen, Bücher und Koffer von Musil oder Informationen über Ingeborg Bachmann und ihr Verhältnis zu Klagenfurt“, sagt Strempfl. Heute Abend um 19.30 Uhr wird das erste Packerl des Jubiläumsreigens geöffnet: eine Lesung des preisgekrönten Autors Thomas v. Steinaecker aus seinem Erstling „Wallner lernt zu fliegen“.

Auch Literaturexperten müssen ausspannen. Das tut Strempfl beim Schwimmen oder wenn er seinem Sohn vorliest. Musil war noch nicht dabei, aber Elias ist ja erst vier.  JOCHEN BENDELE

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