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T ie R

Nach zehn Jahren Beschäftigung mit dem Thema Tier zieht Tita Ruben in der Klagenfurter Galerie 3 ab Mitte November 2013 mit ihrer Ausstellung „Tier 2003 – 2013“ eine Art Zwischenbilanz.

Das Wort Tier könnte man graphisch auch so darstellen: T ie R. Die Initialen der Künstlerin würden gleichsam hervorstechen. Man könnte dieses Wort dann auch folgendermaßen lesen: T, id est R. Tier, das ist Tita Ruben. Auf diese Möglichkeit weist auch eine der neuen Zeichnungen, die den Titel „Le chat, c´est moi“ trägt, hin. Das ist natürlich eine Anspielung auf  „L´ Ėtat, c´est moi – Der Staat bin ich“, den Leitsatz des höfischen Absolutismus, der dem französischen König Ludwig XIV. (1638-1715) zugeschrieben wird. „Le chat, c´est moi“ heißt nichts anderes als „Die Katze bin ich“. Ruben ist also, immer noch, auf der Suche, nach dem Tier in ihr, aber selbstverständlich auch in mir oder in Dir. „Das Tier in mir“ – der Gedanke ist eigentlich naheliegend, aber trotzdem schiebe ich ihn, im Gegensatz  zur Künstlerin Tita Ruben, von mir fort. Weil dieser Gedanke weitere, nicht immer angenehme, Gedanken nach sich ziehen kann.

Was die Sexualität betrifft, sind die Menschen den Tieren beispielsweise sehr nahe. Im Biologie-Unterricht könnte man Gemeinsamkeiten im Sexualverhalten von Mensch und Tier betrachten und dabei erkennen, dass bei beiden Ausformungen von Lebewesen Phänomene wie „Balz“ und Paarbildung feststellbar sind. Gleiches gilt für die Tatsache der Kopulation, die, zoologisch gesehen, als „Vereinigung zweier Individuen unterschiedlichen Geschlechts zum Zwecke sexueller Fortpflanzung“ definiert werden könnte. Dabei nehmen Menschen unter anderem Stellungen, die eigentlich den Tieren zugeschrieben werden, ein (u.a. Doggystyle). Das Naheverhältnis von Mensch und Tier in dem beschriebenen Punkt, sehe ich beispielsweise in einem Bild von Tita Ruben, in dem sie eine volle Oberlippe auf eine Schneckenunterlippe treffen lässt, ausgedrückt. Mit dem Kuss, ebenfalls Bestandteil sexueller Betätigung, bewegen wir uns von dieser nun fort in die kulturelle Sphäre. In vielen Kulturen wird der Kuss als Ausdruck von Liebe, Freundschaft und Ehrerbietung gesehen. Aber der Gedanke, eine Schnecke zu küssen – man könnte meinen, Tita Rubens Arbeit legte das nahe – wird bei sehr vielen Menschen, wie ich vermute eine „Gänsehaut“ auslösen, durch Muskelkontraktionen kommt es zu zahlreichen kleine Erhebungen auf der Hautoberfläche und die „Wollhaare“ des Menschen stellen sich auf. Die menschliche Haut ähnelt dann dem Anblick einer gerupften Gans. Das Tier in mir – und in Dir – es ist da, auch wenn ich es eigentlich nicht so nahe bei mir haben möchte.

„Wie ungnädig dicht“ auch „Leben und Tötung aneinandergeschweißt“ sind, beschrieb die Künstlerin Tita Ruben in einem ihrer eigenen Texte, der im Jahr 2003 anlässlich ihres Ausstellungsprojekts „Tier_Versuche“ entstand. Für diese Präsentation hatte Ruben die Räumlichkeiten einer früheren Klagenfurter Fleischhauerei angemietet. Erwerben konnte man damals Tierdarstellungen (Kohle auf MDF-Platten im Format 18x24 cm), in Schalen, vakuumiert. Das Projekt fand damals ebenfalls in der Adventzeit statt und so schließt sich nun mit der Ausstellung in der Galerie 3, in der auch ein Beispiel dieser Tierdarstellungen enthalten sein wird, gewissermaßen ein Kreis. Gleichzeitig bleibt für die Künstlerin meiner Ansicht nach „eine immerwährende Versuchung aus dem Kreis auszubrechen“, wie es in ihrem Text weiter heißt, bestehen. Soweit einige Mutmaßungen zu ihren Arbeiten.

Eine weitere: Man kann, was Rubens Arbeiten angeht, nach wie vor von Tier_Versuchen sprechen, weil die Künstlerin Möglichkeiten erprobt, fernab vom Festgefügten und dem Dogma eine „Dog ma“ entgegensetzen mag.

15.11.13 11:48

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