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Bis Klagenfurt anruft

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft« berichtete die österreichische Schriftstellerin Cornelia Travnicek seit dem Jahr 2006 auf der website Literaturcafe.de aus dem Leben einer Jungautorin. Und schließlich trat ein, was in einer gewissen Hinsicht voraussehbar war: »Klagenfurt« rief tatsächlich an, besser gesagt, Michaela Monschein, die Bachmannpreis-Organisatorin, und Cornelia Travnicek gehörte zu den 14 Autorinnen und Autoren, die eingeladen waren, bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur 2012 zu lesen.

Chucks. Zu schreiben begonnen habe sie mit zwölf oder dreizehn Jahren „kurz nach der Entdeckung von ernsthafter Literatur“, notiert Travnicek, die 1987 in St. Pölten geboren wurde, in der ersten Folge ihrer Internet-Kolumne. Mit ernsthafter Literatur meint sie dabei Autoren wie Hermann Hesse oder Paul Celan. „Nicht lange, aber auch nicht kurze Zeit später“ habe sie erste Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften aufzuweisen gehabt und sei auch schon zu Lesungen eingeladen worden. Weiters berichtet die Autorin in ihrer ersten Kolumne davon, dass sie  sich „auch in den Sumpf der Internetforen geworfen“, den „Kampf mit den Verlagen“ aufgenommen habe und einer ersten Einzelveröffentlichung entgegensehe. Cornelia Travnicek versteht sich also als Mitglied einer neuen Generation von Autorinnen und Autoren, welche die sogenannten neuen sozialen Medien aktiv zur Kommunikation mit ihrer Leserschaft nutzt. Als Travnicek für 2006/2007 das Hans Weigel-Literaturstipendium des Landes Niederösterreich zuerkannt worden war, hatte sie das Gefühl in der Literaturszene „angekommen“ zu sein. 2006 belegte sie darüber hinaus beim „Wortlaut“-Literaturwettbewerb des Radiosenders FM4 den zweiten Platz. Aber nicht nur das Ankommen, sondern auch das Bleiben ist ihr wichtig. Denn sie „will lieber Fixstern als Komet sein“, erfährt man auf ihrer Autorenhomepage CorneliaTravnicek.com.

Converse. Wie sie dem Ziel, ein Fixstern der deutschsprachigen Literatur entscheidend näher gekommen ist, kann man, ebenfalls auf Literaturcafe.de, in einer zweiten Reihe, die den Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« trägt, nachlesen. Eine Agentin der Literarischen Agentur Simon in Berlin, die sich im Jahr 2009 bei Cornelia Travnicek meldet und gerne mit ihr über ein Manuskript sprechen würde, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Drei Jahre, viel Arbeit und einen Verlagswechsel später erscheint Cornelia Travniceks Romanmanuskript unter dem Titel „Chucks“  bei der Deutschen Verlagsanstalt (DVA), einem renommierten deutschen Verlag.

Basketballschuhe. In „Chucks“ erzählt die Autorin die Geschichte der Punkerin Mae. Nach dem Krebstod ihres Bruders ist Maes Familie zerbrochen. Sie hat sich die roten Chucks ihres Bruders angezogen und bei den Punks eine Art Ersatzfamilie gefunden. Mae lebt in den Straßen von Wien, von Dosenbier und von den Gesprächen mit ihrer Freundin über Metaphysik und noch viel kompliziertere Dinge. Als Mae im Haus der Aidshilfe als Ersatzstrafe für ein Delikt der Körperverletzung gemeinnützige Arbeit leisten muss, lernt sie Paul kennen und verliebt sich in ihn. Als bei Paul die Krankheit ausbricht, sammelt Mae seine Haare und Fußnägel wie Devotionalien, weil sie gegen sein Verschwinden ankämpfen möchte.

Chuck Taylor All Stars. Wenn er mit einer Figur der zeitgenössischen Literatur in einem Lift stecken bleiben möchte, dann mit Mae, notierte der Schriftsteller Clemens Setz, der 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. „Ob ich heil aus dem Lift kommen würde, weiß ich nicht, aber das wär´s wert.“

Cornelia Travnicek ist in der Zwischenzeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. „Klagenfurt“ rief nicht nur an, die Autorin wurde genau dort im Jahr 2012 mit dem BKS-Publikumspreis ausgezeichnet. Damit verbunden ist das Stadtschreiber-Stipendium der Landeshauptstadt Klagenfurt. Als Nachfolgerin von Karsten Krampitz und Peter Wawerzinek gehört Travnicek gewissermaßen auch der neuen Generation von Stadtschreibern an. Nach einer fast fünfzehnjährigen Pause wurde das Stadtschreiber-Stipendium auf Initiative von Mag. Manuela Tertschnig, der Klagenfurter Kulturabteilungsleiterin und Organisatorin des Kulturraums Klagenfurt, im Jahr 2010 von der Landeshauptstadt fortgeführt. Anfang Mai wird Travnicek das Schriftstelleratelier im Klagenfurter Europahaus beziehen. Am Mittwoch, dem 8. Mai 2013 (mit Beginn um 19,30 Uhr) liest die neue Stadtschreiberin im Musil Haus im Rahmen der Reihe KELAGerlesen aus ihrem Roman „Chucks“.

[
Veröffentlicht in: Die Brücke - kaernten.kunst.kultur, Nr. 139/140, April/Mai 2013 ]

10.4.13 09:46

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