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Ohrenberg oder der Weg dorthin...

[ Veröffentlicht in: Die Brücke - kaernten.kunst.kultur, Nr. 127/128, April/Mai 12 ]

Steffen Popp habe „ein maßloses Jahr hinter sich“, hieß es in der Ankündigung von Popps Lesung beim Hamburger Literaturfestival HAM.LIT im Februar dieses Jahres. 2011 erhielt der Schriftsteller gleich drei renommierte Preise für Werke, die er in drei verschiedene Literaturgattungen publiziert hat: den KELAG-Preis für seine Prosa bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur, den Preis der Stadt Münster für seine Übersetzungen internationaler Poesie sowie den Leonce-und-Lena-Preis für seine Lyrik. Damit ist auch schon die Vielseitigkeit angesprochen, die diesen Autor auszeichnet.

Die Gedichte, welche der in Greifswald geborene und in Dresden aufgewachsene Steffen Popp in seinem ersten Gedichtband „Wie die Alpen“ (kookbooks, 2001) publizierte, weckten, so sein Lyrikerkollege Hendrik Jackson in einer Rezension für Lyrikkritik.de, zwar nicht den „Eindruck großer Austariertheit“, sie seien aber höchst „komprimiert“ und man fände auf den Seiten des bibliophil gestalteten Gedichtbandes „fast genialisch anmutende Zeilenperlen von E.T.A.Hoffmanscher herzbetäubter Verstiegenheit“ wie zum Beispiel: „am Fenster der grauen Kaschemme/ rollte das trunkene Auge des Heimleiters.” Gleichzeitig kommt Jackson aber auch auf die Exaktheit, die in den Texten waltet, zu sprechen. Welch großen Respekt der Rezensent Jackson diesen Arbeiten zollt, das ist schon daran zu erkennen, dass er seine Besprechung als einen „Aufruf zu einer neuen Lyrik (angesichts eines Debütbandes von Steffen Popp)“ betitelte.

Die Berliner Literaturkritikerin Sibylle Cramer attestierte den in Münster mit dem Leonce-und-Lena Preis ausgezeichneten Gedichten einem „Reifezustand“, den nur wenige der anderen Gedichte erreicht hätten. Der von Steffen Popp im März 2011 dort vorgetragene Zyklus „Bilder vom Leben am Meer“ mache deutlich, „dass Landschaft ein Kontemplationsthema geblieben ist“, wurde Cramer, Jurorin beim Leonce-und-Lena-Preis, in der Online-Ausgabe der Zeitung „Darmstädter Echo“ zitiert. Sibylle Cramer schwärmte geradezu von der in den lyrischen Arbeiten des Autors feststellbaren „Sensibilisierung für verschwundene Lebenswelten“.

Man findet diese Sensibilisierung aber nicht nur in den Gedichten und damit ist letztlich auch ein Bogen zu jenem Text, mit dem Steffen Popp 2011 bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur erfolgreich war, geschlagen. Er trägt nämlich den Titel „Spur einer Dorfgeschichte" und stellt den Versuch dar, die Geschichte eines Dorfes in Thüringen, das von dem Trio Cordelia, Berthold und Dirk in einem alten Golf befahren wird, zu rekonstruieren. Der Autor unternehme mit seinem Text, war sich die Jury in Klagenfurt einig, den Versuch, der „literarischen Inventarisierung“ eines Dorfes, "um etwas zu sehen, zu durchdringen, du weißt nicht was", wie es im Text heißt. "Ungeheuer dicht" werde hier Ordnung hergestellt, "jeder Satz, jeder Gedanke sitzt", so die Bachmannpreis-Jurorin Meike Feßmann, die Steffen Popp nach Klagenfurt eingeladen hatte. Dass solche Texte auch eine „intensive Lektüre“ erfordern, ist nahe liegend.

„Herzbetäubt verstiegen“, könnte man die zitierte Formulierung nicht auch auf Steffen Popps Strategie, bei einem Wettbewerb, bei dem Autorinnen und Autoren sowie deren Verlage dazu tendieren, kurz vor der Veröffentlichung stehende Texte „ins Rennen zu schicken“ mit einer abgeschlossenen Geschichte anzutreten. Mit einer Geschichte, die so gesehen auch nicht kommerziell „verwertbar“ war?

Das sagt auch viel über die künstlerischen Ambitionen eines Autors, der die vielfachen Gestaltungsmöglichkeiten, die er bei seinem Verlag kookbooks hat, gut für sich zu nutzen weiß, aus. Der von Daniela Seel geleitete kookbooks Verlag ist ein unabhängiger, in Berlin beheimateter Verlag, der keinem der großen Konzerne angehört und sich großes Renommee erworben hat. Nicht zuletzt mit der Publikation von Steffen Popps, mehrfach ausgezeichnetem, Romandebüt „Ohrenberg oder der Weg dorthin“ (2006). Mit diesem Buch war Popp unter anderem auch für den Deutschen Buchpreis nominiert. In Klagenfurt hat er bereits im Jahr 2003 aus dem „Ohrenberg“-Manuskript gelesen – als Stipendiat des Klagenfurter Literaturkurses. Am 16. April liest der Autor im Musil Museum aus dem Manuskript zu seinem zweiten Roman.

 

11.4.12 12:13

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