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Ein Café in Kopenhagen, Hauptstadt Österreichs

Alle seine Projekte seien nichtkommerziell, sagte der georgische Schriftsteller Dato Barbakadse nach seiner Lesung im Klagenfurter Musil Museum. Barbakadse war nach Klagenfurt gekommen, um gemeinsam mit seiner slowenischen Kollegin Maja Vidmar die von Kulturkontakt Austria herausgegebene Anthologie "Grenzverkehr II" (DRAVA Verlag, 2010) vorzustellen. "Grenzverkehr II" versammelt 24 Texte von Autorinnen und Autoren aus 13 Ländern Ost- und Südosteuropas. Die Autoren haben zwischen 2005 und 2007 allesamt als "Milo-Dor-Stipendiaten" bis zu zwei Monate lang in Wien gelebt. Die Stipendien werden von Kulturkontakt Austria vergeben.

Barbakadses ursprünglicher Plan, deutschsprachige Lyrik in 80 Bänden herauszugeben, sei "gescheitert", so der Dichter. Aber sein Buchreihenprojekt "Österreichische Lyrik des 20. Jahrhunderts", das Barbakadse 2005 gestartet hat, ist nicht weniger ambitioniert. Das Projekt ist auf insgesamt dreißig Bände angelegt, von denen bisher zehn erschienen sind. Der Herausgeber plant, die wichtigsten österreichischen Dichter ins Georgische zu übersetzen bzw. übersetzen zu lassen und dem georgischen Publikum so zugänglich zu machen. Das ist ein ungemein wichtiges Projekt. Die Bücher erscheinen in verschiedenen Verlagen, bei Saari sowie bei Polylogi. Barbakadse verkauft diese Bücher nicht, sondern verteilt sie, weil er davon ausgeht, so für die Literatur die richtigen Adressaten und Adressatinnen zu finden. Das ist ganz wunderbar, nicht nur für die österreichische Lyrik.

Was war der Ausgangspunkt für diese so intensive Beschäftigung mit dem Werk österreichischer Dichterinnen und Dichter? Dato Barbakadse schilderte, wie er als junger Autor auf die Lyrik von Georg Trakl aufmerksam geworden sei. Trakls Lyrik habe ihn so stark beeinflusst, dass ihm klar geworden sei, er müsse nun "etwas unternehmen". So entstanden erste Übersetzungen ins Georgische, denen noch zahlreiche gefolgt sind. Das ist "Grenzverkehr" im besten Sinne.

In seinem Beitrag für die Anthologie, der von Benedikt Ledebur in Zusammenarbeit mit dem Autor übersetzt worden ist, spürt Barbakadse dem Begriff des Genius loci auf eine ironische, moderne Weise nach. In der ersten Strophe heisst es:

"in einem ärmlichen Café in Kopenhagen, Hauptstadt Österreichs

mit einigen gar nicht so schlechten Aussichten auf die Seine

beobachtete ich seinen Innenraum voller müder und ausgebrannter Leute"

Die sprechende Figur in Barbakadses Gedicht kommt mit einem anderen Besucher des Lokals, dessen Haupt ein, in Kopenhagen, Hauptstadt Österreichs, gerne getragener, grüner Zylinder schmückt, ins Gespräch. Geschrieben hat der Autor das Gedicht während seines Aufenthalts als Stipendiat in Wien im Herbst 2008. Diese Zeit habe zu zahlreichen neuen, für ihn sehr wertvollen, Kontakten geführt, so der Autor.

Auch Maja Vidmar strich im Gespräch mit DRAVA-Verleger Peter Wieser heraus, wie wichtig der einmonatige Aufenthalt in Wien für sie gewesen sei, weil sie sich ganz intensiv dem Lesen und dem Schreiben habe widmen können. Das habe sie, so Vidmar, als "großen Luxus" empfunden. In Wien sei der Großteil eines neuen Buches, das sie im kroatischen Pazin abschließen habe können, entstanden. Beide Orte kommen auch in ihrer Geschichte "Das Überschreiten (einer Grenze)", die in der Anthologie enthalten und von Fabjan Hafner ins Deutsche übersetzt worden ist, vor. Hafner hat darüber hinaus die beiden Bände Leibhaftige Gedichte (Droschl, 1999) und Gegenwart (Edition Korrespondenzen Reto Ziegler, 2007) ins Deutsche übertragen.

Ihr Leben, sagte Maja Vidmar, habe nach dem Aufenthalt in Wien überhaupt eine neue Wendung bekommen. 

Gerdi Obersteiner, der frühere Chef-Regisseur im ORF-Landesstudio Kärnten, hat den hochinteressanten Abend im Musil Museum, der von Brigitte Burgmann-Guldner (Kulturkontakt Austria) moderiert wurde, verdienstvollerweise mit der Kamera dokumentiert. Er stellt seine Videos als "Austrian Director" auf YOUTUBE.


 

16.6.11 06:44



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