Werbung

Gratis bloggen bei
myblog.de

In der Morgensol

Im Jahr 2006 war die junge Schriftstellerin Anna-Elisabeth Mayer als Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses "in town", bevor sie Ende Februar 2011 wieder nach Klagenfurt kam, um im Rahmen der Reihe Literatour.at aus ihrem Debüt-Roman Fliegengewicht (Schöffling, 2010) zu lesen. Ich hatte sie schon telefonisch "vorgewarnt", dass sich das Musil Museum sehr verändert habe und dass sie es kaum mehr wiedererkennen werde.

Der Haupteingang des Museums liegt exakt seit dem 6. November 2010, dem 130. Geburtstag Robert Musils, gegenüber dem Klagenfurter Hauptbahnhof. Unübersehbar ist der Eingang deswegen, weil der international tätige, französische Street-Art-Künstler Jef Aérosol genau an diesem Tag Porträts von Christine Lavant, Ingeborg Bachmann und Robert Musil neben das Portal des Musil Museums gesprayt hat.

"Aesorol macht sich auch in der Morgensol sehr gut!", notierte Anna-Elisabeth Mayer, die am Tag nach der Lesung einigermaßen früh mit der Bahn wieder nach Wien zurückreiste, in ihrer unvergleichlichen Art per SMS.

Schnitt. Rückblende. Ich möchte natürlich nicht nur von Mayers An- und Abreise berichten, sondern auch von ihrem Roman äußerst gelungenen Romandebüt "Fliegengewicht". Der Roman sei keine bloße Talentprobe, sondern "ein Versprechen", notierte der frühere Bachmann-Preis-Juror Klaus Nüchtern im FALTER. Mayer sei "der etwas andere Arztroman" gelungen, so Nüchtern weiter.

"Wir freuen uns über die Jugend", sagt Frau Ott am Beginn des Romans, als das "Fliegengewicht", die junge Frau, ihr Bett im Damenzimmer Nr. 5 bekommt. Neben Frau Ott sind dort auch Frau Blaser und Frau Ferdinand untergebracht. Dank der Leichtigkeit, welche die Autorin mit ihrem "Fliegengewicht" in diesem Zimmer verbreitet, kann die Tür zum Damenzimmer Nr. 5 für die Leserinnen und Leser offen bleiben. Und wenn die Damen dort samt und sonders Dr. Winter anhimmeln, dann tun sie das vor allem auch deshalb, weil ihnen sonst kaum eine Projektionsfläche für ihre eigenen Gedanken, die ja eigentlich nahe beim Tod und beim Vergehen sind, bleibt. Im Zimmer herrscht längst der Winter des Lebens, aber wenn es der so Benannte betritt, dann läßt ihn die Autorin "den Frühling von draußen" mit herein bringen. Sehr behutsam entwickelt die Autorin aus dem Durcheianderreden im Damenzimmer verschiedene Erzählstimmen und verschiedene Erzählstränge.

Und wenn Anna-Elisabeth Mayer Dr. Winter jovial fragen läßt, ob "bei den Damen alles in Ordnung" sei, dann in erster Linie um im Fortgang der Handlung herauszuarbeiten, dass kaum etwas in Ordnung ist, dass sich so etwas wie "Ordnung" in den drei Leben der Damen Blaser, Ferdinand und Ott längst aufgelöst hat. Aber es kommt schliesslich wie es kommen "muß". In einer letzten gemeinsamen Kraftanstrengung "setzen" die drei das "Küken" im Zimmer auf Dr. Winter "an". Wie das ausgeht? Am besten, man liest das Buch, welches ich gerne zur Lektüre empfehlen möchte.

Das "Küken" stellt sich vor, wie das Damenzimmer Nr.5 im Finstern liegt, wie nur das Notlicht leuchtet. Tröstlich bleibt auf jeden Fall die Vorstellung, dass nach durchwachter Nacht auch durch die Fenster von Nr. 5 ein wenig Morgensol scheinen wird. 


1.4.11 11:01

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen