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Einige Komplikationen

Man hätte es wissen müssen. Man hätte damit rechnen können. An jenem 17. Dezember des vorigen Jahres, als die Sitzung der Jury zur Ermittlung des ersten Preisträgers im Namen von Gert Jonke angesetzt war. In Klagenfurt. Man hätte damit rechnen können, dass mit diesem Termin "einige Komplikationen eher landläufiger Natur", wie es bei Jonke heißt, verbunden sein würden.

Retrospektiv gesehen wird man sagen: Ah, das war ja jener Tag, an dem es durch heftigen Schneefall in der Schweiz und in Deutschland zu massiven Behinderungen im Reiseverkehr kam. Aber am Beginn jenes 17. Dezember wußte man das noch nicht. Der Tag begann ganz unverfänglich.

Der Literaturkritiker Hubert Winkels schaffte es mit einer leichten Verzögerung per Flugzeug nach Klagenfurt, von Köln aus. Nach Köln gelangte er per Bahn. Er wußte aber zu berichten, dass das Reisebüro ihm ein Bahnticket für einen Zug, den es eigentlich gar nicht gab, ausgestellt hatte.

Corina Caduff, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin an der Zürcher Hochschule der Künste, schaffte es mit ziemlicher Verzögerung per Flugzeug von Zürich nach München, aber vorläufig nicht weiter, muß man sagen. Jedenfalls nicht mit dem Flugzeug, weil die Anschlußflüge nach Klagenfur entweder versäumt oder gecancelt worden waren. Frau Caduff nahm darauf hin die Bahn für die Fahrt von München nach Klagenfurt.

Je länger der Tag, der in Klagenfurt eine Jurysitzungsgestalt haben sollte, dauerte und je mehr sich diese Gestalt veränderte, fast stündlich, desto mehr wuchs in mir der Verdacht, dass wir uns mitten in einer Jonkegeschichte befänden, deren Kern folgender wäre: Mehrere Juroren versuchen nach K., der Geburtsstadt eines berühmten, leider schon verstorbenen Dichters, zu reisen um dort an einem Treffen teilzunehmen, bei dem ein Preisträger im Namen des berühmten Dichters gekürt werden soll, aber es gelingt ihnen einfach nicht die Stadt zu erreichen.

"Damals vor Klagenfurt" sozusagen. Hätte Corina Caduff fast sagen können, ja beinahe müssen, als jener Zug von München nach Klagenfurt, der mit Verspätung abgefertigt worden war, bei Velden am Wörthersee strandete. Wegen eines Schadens, der am Triebfahrzeug aufgetreten war.

Nein, es hatte alles seine Ordnung, letztlich. Oder besser gesagt: fast. Denn die Jurysitzung fand mit sechsstündiger Verspätung statt. Und als man nach getaner Arbeit in dem vom dritten Juror und Leiter des Musil-Instituts, Klaus Amann, vorgeschlagenen benachbarten Gasthaus einkehren wollte, war das wegen der Weihnachtsfeier einer geschlossenen Gesellschaft nicht möglich. Zu Speisen gelang auch deshalb nicht, weil in dem stattdessen gewählten Restaurant die Küche schon geschlossen hatte. Aber die Salzstangerln mit Butter, die es dort gibt, ich sage Ihnen...

 

 

8.3.11 20:33



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