Aber ja doch. Die Frage ist nämlich, an welchem Punkt seiner Karriere der Schauspieler Mathieu Carrière angekommen ist. Ich habe ja angekündigt, es werde ein Wortspiel der etwas seichteren Art sein.
Aber Herr Carrière gibt ja derzeit Anlass dazu. Ich formuliere es einmal ganz vorsichtig: Er wird an einer Show des Fernsehsenders RTL teilnehmen, was die Journalistin Barbara Mader in der österreichischen Zeitung KURIER mit folgendem Stabreim kommentiert: „Von Musil zur Made“. Das ist eine Anspielung darauf, dass Carrière als „Törless“ in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ bekannt wurde, im Alter von 15 Jahren.
Man könnte darüber diskutieren, ob die Formulierung originell ist. Gleichfalls könnte man darüber diskutieren, ob der Titel des Artikels, „Musil, Bachmann, Dschungelcamp“ angemessen ist. Ein Zusammenhang ergibt sich ja nur daraus, dass Mathieu Carrière einerseits künstlerisch mit den Werken der genannten Schriftsteller und andererseits mit dieser Show zu tun hat.
Wo sind die Zeiten, als RTL mit einer Sendung namens „Tutti frutti“ Quote gemacht hat? Nicht dass man sich danach zurücksehnt, denn “seitens der TV-Kritik wurde Tutti Frutti auch inhaltlich ein sehr niedriges Niveau bescheinigt“, liest man bei WIKIPEDIA. Aber das ist gut zwanzig Jahre her. Und die Show namens „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus. Das RTL Dschungelcamp“ ist schon eine ganz andere Nummer.
Ich bin da ganz auf der Seite von Uli Höneß, des Präsidenten des FC Bayern München, der in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung gesagt hat: „Die Sendung an und für sich gehört verboten.“ Höneß hat das aber gar nicht in erster Linie auf Mathieu Carrière bezogen, sondern auf dessen Camp-Kollegen, den Autor und Filmemacher Rainer Langhans, der vor allem für seine Mitgliedschaft in der sogenannten Kommune 1 bekannt ist, eine Symbolfigur der Achtundsechzigerbewegung. Nur „weil er keine Kohle mehr habe“, sei Langhans ins Camp gegangen und Höneß weiter: „Daran sieht man, wie weit manche 68er gekommen sind – schlimme Zeiten“. Und auch in diesem Punkt stimme ich Höneß zu. Das Camp ist eine letzter Nachweis dafür, wie recht Marshall Mc Luhan behalten hat: „The medium is the message“. Das Medium setzt auf das für Schauspieler und Leute wie Herrn Langhans wertvolle Gut der Aufmerksamkeit und stellt es ihnen zur Verfügung, um einen hohen Preis allerdings. Und das Medium demonstriert damit letztlich: 68er hin oder her, mit Geld können wir sie alle kriegen. Wenn RTL gewinnt, dann kann es mit den Werten der 68er nicht weit her sein. Das steht gleichsam „zwischen den Zeilen“.
Das Medium Fernsehen definiert sich damit einmal mehr selber als zentrale Instanz und wie die „Quote“ zeigt, funktioniert das Spiel. Bei der „werberelevanten Zielgruppe der 14 bis 49jährigen“ sei mit der ersten Sendung der neuen Staffel ein Marktanteil von 39,3 Prozent erreicht worden. Mit „mächtiger Schützenhilfe durch die „Bild“-Zeitung“, wie SPIEGEL online vermerkt. Damit ist auch ein stilbildendes Printmedium genannt. „Von Musil zur Made“, die Formulierung stammt vom KURIER, klingt aber ganz nach Bild-Zeitung.
Schlimme Zeiten, wie wahr!