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Einladung zum Nachdenken

Der Anfang März im Antje Kunstmann Verlag erschienene Band "Gesichertes" der jungen deutschen Schriftstellerin Hanna Lemke wird vom Verlag im Frühjahrsprogramm für 2010 als "das überraschendste Erzähldebüt seit Langem" angekündigt.

Die Literaturkritiker/innen ließen sich, soweit sie sich bisher zu dem Buch geäußert haben, auch gerne von den in dem Band versammelten achtzehn Texten überraschen. Sie haben zumeist das Leben von jungen Menschen zum Inhalt. Und deren Platz im Leben ist alles andere als "gesichert". Natürlich geht es auch um die Frage des "gesicherten Einkommens". Die Figur Georg erzählt in der titelgebenden Story davon, dass sein Vater angerufen habe, ob er denn bereits ein gesichertes Einkommen habe und das "Elterngeld überhaupt noch brauchte". Im Interview mit dem Berliner Sender Radio Eins (vom 7. Februar 2010) sagte Hanna Lemke, dass dies aber nur ein Aspekt dieses Buches sei. Ein Schreibimpuls sei für sie von der Lektüre von Peter Stamms Buch "Blitzeis" ausgegangen. Eine zentrale Frage in dem Debütband sei, was denn alles als gesichert gelten könne im Leben. Deswegen kann man, denke ich, auch nicht sagen, dass Hanna Lemke für "ihre Generation" - der noch noch nicht Dreißigjährigen - spreche, denn diese Frage ist nicht generationsgebunden. Lemkes Buch ist also auch eine ganz wunderbare Einladung zum Nachdenken.

Jener Punkt, an dem das Gesicherte im Leben zu nur mehr scheinbar Gesichertem wird, ist ja vielfach der Ausgangspunkt für Geschichten. Ich denke auch, dass sich die von Hanna Lemke gewählte Form der "Story" gut dazu eignet, um dieser Frage nachzugehen. Lemkes Stories sind nur auf den ersten Blick skizzenhaft. Sie sind ganz präzise gearbeitet. Peter Henning, der "Gesichertes" für die Süddeutsche Zeitung besprochen hat, zitiert nicht umsonst den Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre, der über die Kurzgeschichte gesagt hat, dass sie mit jeder Zeile sage, was sie zu sagen habe: "Ihre Stärke liegt im Weglassen, ihr Kunstgriff ist die Untertreibung." Das macht auch den Reiz von Hanna Lemkes Buch aus.

Finde es sehr schön, dass in diesem Band auch die Erzählung "Visiten" (S. 98 - 111), deren Vorstufe Hanna Lemke als Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2007 im Musil-Haus vorgestellt hat, enthalten ist. Am 11. Mai ist sie wieder in Klagenfurt, um aus "Gesichertes" zu lesen.

31.3.10 16:20



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