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Realität, genauer betrachtet

Bei genauerer Betrachtung setzt sich die Realität phasenweise aus Szenen, wie sie der Schriftsteller Gert Jonke in seinen Werken beschrieben hat, zusammen.

Zerfällt die Realität nicht auch in Partikel, die überwiegend mit Absurdem, Skurrilem gefüllt sind? Aber das ist eher nicht die Frage, sondern mehr mein Verdacht. 

Jonke kann so auch als ziemlich genauer Beobachter gesehen werden. Er war mit einer Art schriftstellerischem Realitätsmikroskop ausgestattet. Das ermöglichte es ihm, genau dieses Absurde, Skurrile und gleichzeitig Reale für uns lesbar zu machen.

18.12.10 12:51, kommentieren



Einmal Markowitsch rot, einmal rosé!

Die Schloßvilla Miralago in Pörtschach entfaltete auch bei den Lesungen im Rahmen des Kulturfestivals "Still around the lake" am 20. November 2010 ihre höchsteigene, ganz besondere Atmosphäre.

Bei der Lesung von Fabjan Hafner beispielsweise. Er las aus seinem Gedichtband. "Freisprechanlage -- Brezročno govorjenje -- Vivavoce". Gedichte -- Pesmi -- Canti. Deutsch, Slowenisch und Italienisch. Übersetzt aus dem Slowenischen und Deutschen von Roberto Dedenaro, Tatiana Floreancig, Zdenka Hafner-Čelan (Drava, 2001). Eine der Übersetzerinnen hatte er gleich mitgebracht.

Wolfgang M. Siegmund und Josef K. Uhl lasen gemeinsam Siegmunds Text "Nachtvögel", der in der Nr. 111 der Kärntner Kulturzeitschrift "Die Brücke" (Oktober/November 2010) erschienen ist. Das heißt, dem klassischen Genre der "Lesung" entsprach der Vortrag nicht. Man wird es wohl eher Performance nennen können. Oder Improvisationstheater, wobei Josef K. Uhl anfänglich Schwierigkeiten hatte, in die im Text vorgesehene Rolle des "Josef K. Uhl" zu schlüpfen. Als dann einmal Markowitsch rot, einmal rosé, serviert wurden, war es für Uhl leichter, in die für ihn offensichtlich ungewohnte Rolle eines "Nachtvogels" hineinzufinden. Wolfgang M. Siegmund hingegen war glänzend disponiert und gab gleichsam auch Regieanweisungen.

In "Nachtvögel" beschreibt Siegmund Szene aus dem nächtlichen Leben im Klagenfurter Theatercafé. Das Theatercafé ist eine K. und K.-Einrichtung, also ein vorzügliches Institut der Künste und der Kulinarik. Veronika Salcher sei Dank. Aber mehr Worte zu machen als Siegmund macht da keinen Sinn, besser Sie überzeugen sich selbst.

Um es den LiteraturwissenschaftlerInnen etwas leichter zu machen, möchte ich hier auch den ursprünglichen Titel des Textes festhalten, der lautet: "Wenn die Vögel der Nacht hinaus ins schöne Leben wollen, fliegen sie mitten hinein ins THEATERCAFÉ oder Einmal Markowitsch rot, einmal rosé." Mehr ist nicht zu sagen.

23.11.10 22:22, kommentieren

Still around the lake

[ Rede zur Eröffnung des gleichnamigen Kulturfestivals, 14. bis 22. November 2010, Schloßvilla Miralago, Pörtschach ] 

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"Still around the lake?" Hat da jemand das eigentlich zur Jahreszeit passende Kärntnerlied falsch ins Englische übersetzt?

Ich meine natürlich das Lied "Is schon still uman See". "Häufig beim Kärntnerlied", lehrt uns Wikipedia, „ist eine melancholische Grundstimmung“. Nichts gegen Melancholie, die auch zum November gehört. Und wer sich ihr ergeben mag, soll das tun.
 

Ich meine nur: Ist es wirklich schon „still uman See"? Und ich denke mir: ganz im Gegenteil. Wer ein FACEBOOK-Freund von Doreen Anette Ullrich ist, und dieses Vergnügen habe ich, der kann auf ihrem account gerade folgendes lesen: "Hier raschelts im Karton!". Der kulturelle "Karton", das ist ab heute eine Woche lang die Schloßvilla Miralago in Pörtschach.

"Selbst Pörtschacher kann der Wörthersee an manchen Stellen noch überraschen", notierte Madeleine Pratscher in der Tageszeitung Die Presse (vom 23./24. Mai 2009): "Wenn man beispielsweise auf den Balkon der Villa Miralago hinaustritt und den Blick über das Wasser schweifen lässt: Keine Bausünde stört den Bildausschnitt auf das gegenüberliegende Ufer. Nicht Zementgrau, nur sattes Grün rahmt die idyllische Ostbucht-Szenerie. Die nahe Hauptstraße hört man nicht. Still treiben die Segelboote um ihre Bojen".

Also doch "still uman See"? "Hear de Ruadar schlågn." Die Ruder werden Sie, sehr geehrte Damen und Herren, in nächster Zeit nicht hören können, aber ein klassisches Konzert unter dem Motto "Freude schöner Götterfunken". Die Ausführenden sind Künstler, die in dem Verein Kunst auf Rädern organisiert sind. Geleitet wird der Verein von Herbert Fischerauer. Ziel ist es, kulturelle Veranstaltungen in den österreichischen Senioren-, Kranken- und Pflegeheimen durchzuführen. "Kunst auf Rädern" gastiert heute im Bezirksaltenheim Lienz, ab morgen in mehreren Kärntner Einrichtungen und am Dienstag Abend im Miralago. Die Schirmherrin von "Kunst auf Rädern" ist die uns allen bekannte Prof. Lotte Tobisch-Labotyn.


Überließe man sich der Melancholie, könnte man dem Kärntnerlied folgen. Dort heißt es weiter: "Muaß (...) mei Traurigkeit übas Wåssar trågn." Traurigkeit? Nein, es ist die pure Lebensfreude, die in der kommenden Woche gleichsam auf Rädern "über das Wörtherseewasser rollen" wird.
Doreen Anette Ullrich und Johannes Muchitsch von der Schloßvilla Miralago stellen den Künstlern von "Kunst auf Rädern" hier Quartier zur Verfügung und die Musiker bedanken sich dafür mit besagtem Konzert. Frau Ullrich und Herr Muchitsch werden in der kommenden Woche ihr Haus für die Künste öffnen, Gastgeber für uns alle sein und Raum schaffen für die Erprobung all dessen, was künstlerisch möglich ist.
 

Der in Pörtschach lebende Schriftsteller Wolfgang M. Siegmund wird beispielsweise am Samstag, dem 20. November 2010, ab 19,30 Uhr, im Miralago aus seinen Texten lesen. Desgleichen seine Schriftstellerkollegen Josef K. Uhl und Fabjan Hafner. Maja Schlatte wird Musik beisteuern, also: keine Kärntnerlieder, sondern Jazz.

Günther Schmidauer, der durch seine Tätigkeit als Dramaturgieassistent am Burgtheater sowie als Chefdramaturg am Stadttheater Klagenfurt, reiche Theatererfahrung aufweist, hat eine theatralische Performance unter dem Titel „Seifenoper Österreich“ in Szene gesetzt. Sie wird am Freitag zu sehen sein.

Das Motto für die kommende Woche wird also absolut lauten "Übars Wåssar muaß i ume", hinüber ins Miralago. „Vorbeischippern", vorbeikommen, um Kunst zu genießen, auch bildende Kunst.

Dafür öffnet das Miralago seine Zimmer, jeweils von 11.00 bis 22.00 Uhr: Linda von Alten, Dorothea Annaili, Caroline, Christina Wiese und Lisa D. zeigen Arbeiten aus ganz unterschiedlichen Sparten der bildenden Kunst.
 

"Liegg a Ringle ban Bodn", nein das nicht, aber es gibt zeitgenössische Skulpturen von Christina Wiese zu sehen, hier im Miralago. In ihrer Arbeit, so die Künstlerin selber, konzentriert sie sich auf die Kombination von Keramik mit Fundstücken und verschiedenen Materialien wie antiken Bruchstücken, Metallfragmenten und Glas. Wiese bezieht diese Materialien in ihre Gestaltung ein und gibt ihnen eine neue, künstlerische Bedeutung.
 

Linda von Alten beschäftigt sich in ihren Bildern seit dem Studium intensiv mit der Thematik Struktur und Farbe und setzt ihre Eindrücke in großflächigen, kraftvoll angelegten, Bildern mit dominanten Farben um.
 

Die mythischen Masken von Dorothea Annaili haben ihren Platz vor der Schloßvilla, am Seeufer. Annaili setzt sich in ihren Arbeiten mit der Kraft der Frauen auseinander.
 

Caroline  zeigt im Miralago Arbeiten aus der Serie der „Painted Poems“. Sie hat Kunstzeitschriften als Basis für eine Art künstlerisches Tagebuch verwendet und ihre, kraftvollen poetischen Notizen zu sehr speziellen Text-Bild-Kombinationen zusammengefügt.
 

Und schließlich wird das Miralago auch zu einer temporären Lisa D.-Filiale. Lisa D. ist eine aus Klagenfurt stammende, in Berlin ansässige Modedesignerin, die ihr Atelier in den „Hackeschen Höfen“ in Berlin-Mitte hat. Seit 1984 macht Lisa D. Shows, Performances und Ausstellungen, in denen sie Geschichten in der Sprache der Mode erzählt. Sie spielt gleichsam in der „Major league“ des Modedesigns.

Und das paßt bestens zum Miralago, weil die Schloßvilla wiederum in der Maggiore league mitspielt, wie Neville Walker in Anspielung auf die am Lago maggiore herrschende Atmosphäre in seinem Bericht für die Financial Times notierte: "Carinthia has long found tourist lucre in the elusive quality of being almost Italy, and the snow-capped peaks that terminate the view on the far side of the lake tantalise with thoughts of the Adriatic, which lies not so very far beyond."

"Still around the lake", das bedeutet auch, Leute wie Doreen Anette Ullrich und Johannes Muchitsch sind noch da, wenn man glaubt, dass es bereits still sei. They´ re still around.

Und das wiederum wird Herrn Bürgermeister Arnold ganz besonders freuen. Und das nicht nur wegen seiner früheren Funktion als Leiter der Kulturabteilung des Landes Kärnten.

Die Kunsthistorikerin Sylvie Aigner zitiert in der aktuellen Ausgabe der von der Kulturabteilung des Landes herausgegebenen Kulturzeitschrift "Die Brücke" (kärnten.kunst.kultur, Nr. 111, Oktober/November 2010, S. 45) eine Studie, die 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit erstellt wurde. Nach dieser Studie zählt die Gruppe der Kulturtouristen zu den "wichtigsten touristischen Zielgruppen". Der Kulturtourismus, so Aigner, habe sich als "nachhaltiger Wachstumsmarkt etabliert". Und entsprechend hoch sei auch der "Anspruch an die Qualität des Angebotes".

So it´s quite good, that  the artists are still around. They always loved that place. "Composers Gustav Mahler and Johannes Brahms were just two of the great names drawn to the peace and tranquility of the lake", writes Tricia Wormald in the "Derby Evening Telegraph".

"Die Zimmer der Schlossvilla Miralago strahlen  den originären Charme der großen Blütezeit der Wörthersee-Sommerfrische aus". Lassen wir uns  doch  alle von dieser Ausstrahlung anstecken! And I hope, next year we´ re still around!

2 Kommentare 15.11.10 09:47, kommentieren

Über 111 Brücken mußt Du gehn

Veröffentlicht in: Die Brücke - kärnten.kunst.kultur, Nr. 111, Oktober/November 2010, S. 99/100.

„Ich kann 111 Zeilen anbieten und benötige den Text bis zum 1.11.“, sagt Günther M. Trauhsnig, der Chefredakteur der BRÜCKE zu mir am Telefon und ich denke mir 111 Zeilen, das ist für einen Beitrag über einen Autor eigentlich viel zu wenig und in Wahrheit würde ich dafür viel mehr Zeit brauchen aber ich denke mir auch, steht nicht schon bei Peter Maffay geschrieben „Über 111 Brücken musst Du gehen“? Und deswegen antworte ich „Wunderbar, 111 Zeilen, das ist ganz schön viel und außerdem habe ich genug Zeit, um den Beitrag zu schreiben und das ist ja auch noch ganz schön lang hin bis zum 1.11.. Ich mach´ das, Danke!“.

Man braucht ja nur eins und eins und eins zusammenzählen. Ein Beitrag für die BRÜCKE bewirkt ja auch etwas. Also erstens war Günther M. Trauhsnig beispielsweise bereit, 2005, lange bevor der Autor Wolfgang M. Siegmund sein „Comeback“ im Literaturbetrieb feierte und mit dem Literaturpreis der Steiermärkischen Sparkasse ausgezeichnet wurde, Siegmunds Text „Fenster für Aussichtslose“ in der Rubrik VORLESE der BRÜCKE abzudrucken, das ist jene Rubrik die auch PRVO BRANJE heißt, was man ja eher als die ERSTE LEKTÜRE übersetzen würde. Und erstens hat die Brücke durch die Publikation an dem erwähnten „Comeback“ mitgewirkt, was eine sehr ehrenvolle und wichtige Aufgabe von solchen Publikationen ist und gleichzeitig ihr „Kerngeschäft“. Günther M. Trauhsnig betreibt dieses Kerngeschäft und konnte in der Brücke 111 minus sieben bekannt geben, dass Wolfgang M. Siegmund nun wieder „in der literarischen Bucht“ daheim ist. Und er freut sich mit Siegmund darüber, dass dessen Theaterstück über die weltberühmte Fotografin Tina Modotti, die eine Zeitlang in Klagenfurt gelebt hat, Anfang 2011, also nicht Anfang 2111, vom klagenfurter ensemble aufgeführt werden wird, im Theater Halle 11, und nicht im Theater Halle 111.

"I can offer to you 111 lines and I need the article until 11. 1st", said Gunther Traushnig, editor-in-chief of the BRIDGE to me on the phone and I thougt 111 lines, that´s not much for a contribution about a writer and in reality I would need much more time. But didn´t the German singer Peter Maffay say "You have to cross 111 bridges"? And so I said, "Perfect, 111 lines that´s pretty much space for the article and there´s time enough to write it. I accept. Thank you".

"The Distance Between Us" heißt jene Versnovelle, welche die bedeutende englischsprachige Lyrikerin Fiona Sampson 2006 bei einer Lesung im Klagenfurter Musil-Haus vorstellte. Auf Anregung von Günther M. Trauhsnig begann sich Nicole Richter, die jetzt den Carinthia Verlag in Klagenfurt leitet, damals mit dem Werk von Fiona Sampson auseinander zu setzen, und zwar einhundertelfprozentig. Mit dem schönen Resultat, dass die Arbeiten von Fiona Sampson seit kurzem nicht mehr nur in dreißig anderen, sondern auch in deutscher Sprache zugänglich sind. Und das Schönste dabei ist, der Band "Zweimal sieben Gedichte" ist im Klagenfurter Wieser Verlag erschienen. 104 harren also noch der Übersetzung.

Auch wenn ein Beitrag den Titel "Birth. School. Work. Death." tragen soll, und wenn es darin um die Texte der jungen Autorinnen und Autoren, die Stipendiaten des Klagenfurter Literaturkurses geht, läßt sich Trauhsnig von seiner Neugier auf neue Texte leiten. Und mit guten Resultaten, die den Leserinnen und Lesern der BRÜCKE zugute kommen. Und nicht erst seit dem 11. Literaturkurs ist der Brücke so ein "trefferreiches Spiel mit Wort-Bildern" gelungen. Der in Berlin lebende Autor Jörg Albrecht war so beispielsweise schon im Jahr 2003 mit einem Beitrag in der schon erwähnten Rubrik PRVO.BRANJE der November-Ausgabe der BRÜCKE vertreten. Vor nicht allzu langer Zeit hat Albrecht seine Antrittslesung als neuer Stadtschreiber von Graz absolviert. Ein Jahr lang wird er nun in Graz leben und schreiben. Wie zuvor beispielsweise auch Gert Jonke im Jahr 1992. Wenn man in einer Zeitschrift früh auf Texte von interessanten Autorinnen und Autoren aufmerksam gemacht wird, so ist das ein untrügliches Zeichen für die Qualität der Publikation.

Untrüglich verweist die vorliegende Ausgabe derselben Publikation numerisch auch schon auf den elften Monat des Jahres 2010. Es war vor neunzehn Jahren, dass man am 6. November den 111. Geburtstag von Robert Musil feierte. Diesmal gibt es am 6. November ebenfalls etwas zu feiern, nämlich die Wiedereröffnung des erweiterten Musil Museums. Und wenn Sie in nächster Zeit Karten oder Plakate mit dem Hinweis ACHTUNG >>> ROBERT 6. NOV. sehen, so weisen diese schon auf die bevor stehenden Ereignisse hin.

"Ich kann Dir soviel Platz anbieten wie Du benötigst" sagte Günther M. Trauhsnig, der Chefredakteur der BRÜCKE, zu mir bei unserem letzten Telefonat, das zirka um 11 Uhr 01 stattfand. Fast zuviel dachte ich mir, ließ mir das aber natürlich nicht anmerken, akzeptierte alles widerspruchslos, legte CDs von Peter-Maffay und Karat ein, machte mich gleich an die Arbeit, stellte die Schriftgröße 11,1 Punkt ein, konnte den Beitrag fertig stellen und wünsche der BRÜCKE und deren Editor-in-chief das Allerbeste, ein Budget von mindestens 111.000 EURO und mir selber jetzt für einen Beitrag in der BRÜCKE Nr. 222 doppelt sovíel Platz.

1 Kommentar 12.11.10 23:54, kommentieren

Kl. in K., 06.11.2010

"Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, dann muß es auch einen Möglichkeitssinn" geben, das ist eine der zentralen Thesen des Schriftstellers Robert Musil, der vor genau 130 Jahren geboren wurde, in seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften".

Es fehlt uns in dieser Stadt nicht an Wirklichkeitssinn. Wir müssen nur  die Zeitungen aufschlagen oder Leuten bei Diskussionen zuhören und wir lesen und erfahren, was alles in dieser Stadt NICHT möglich ist.

Wenn Robert Musil an diesem, seinem heutigen Geburtstag für uns ein Lehrmeister sein kann, dann für all das, was MÖGLICH ist. Darüber sollten wir nachdenken, darüber sollten wir diskutieren, darüber sollten wir schreiben.

6.11.10 23:22, kommentieren

Very Important: Pochoirs

"Fragt doch einen der besten Street-Art-Künstler, ob er nicht das neue Portal des Musil Museums mit Porträts von Christine Lavant, Ingeborg Bachmann und Robert Musil gestalten will, fragt doch Jef Aérosol!", sagte Willy Haslitzer, der Direktor des ORF-Landesstudios in Kärnten, im "Nachspann" des Bachmann-Preises zu uns.

Der Bachmann-Preis, im vollen Wortlaut die Tage der deutschsprachigen Literatur, sind ein gemeinsames Projekt des ORF-Landesstudios Kärnten und der Landeshauptstadt Klagenfurt. Schon bald nach der Preisverleihung diskutieren wir, also alle daran Beteiligten, über den Verlauf der Veranstaltung, sind aber gedanklich in Wahrheit schon bei der nächsten. 

Außer es geht gerade, en passant, um Jef Aérosol und Willy Haslitzers Begeisterung überträgt sich sofort auf uns, weil die Arbeiten von Aérosol einzigartig sind. Der Künstler achtet darauf, dass seine Arbeiten eher die Sinne als die Gefühle ansprechen.

Aérosols ganz typische Ausdrucksform ist das Porträt. Die von dem Künstler an die Wand gesprayten Arbeiten kommen uns als Betrachter, so der Aérosol-Verleger Gérard Aimé in einem Interview für den Film "Streetart-Künstler Jef Aerosol", vertraut vor, weil wir uns in ihnen wiedererkennen. Es gebe keine Verständnisprobleme. Wir erkennen die Personen und ihren Ausdruck und haben direkten Zugang zu ihnen. Wir verstünden sofort, seien bewegt und wüßten auch gleich warum: weil diese Empfindung bereits in uns gewesen sei.

Was Aérosol von anderen Street-Art-Künstlern unterscheidet ist die Tatsache, dass er seine Wurzeln im Rock 'n' Roll habe, in der Gegenkultur der sechziger Jahre, so der mit Aérosol befreundete Rockkritiker, Musiker, Sänger und Schriftsteller Patrick Eudeline. So verwundert es auch nicht, dass eine der Hauptinspirationsquellen für Aérosol seine umfangreiche LP-Sammlung ist. Richtig gelesen. Es ist von Vinyl die Rede.

Jef Aérosol trägt boots, seine Musik ist der Rock´n Roll. Und er arbeitet mit "pochoirs", mit Schablonen. Das ist sozusagen das Markenzeichen des Künstlers. Die Schablonenkunst, so Aérosol, sei aus der Pop-Art der sechziger Jahre entstanden. Seine eigenen Arbeiten sieht er als Foto-Graphiken, weil er mit Fotos, die auf Schwarz-weiß-Töne reduziert werden, arbeitet.

Um es kurz zu machen, erahnbar ist es nach den letzten Zeilen: Jef Aérosol hat zugesagt, diese Gestaltung zu übernehmen, hat inzwischen Fotos von Christine Lavant, Ingeborg Bachmann und Robert Musil bearbeitet, Schablonen vorbereitet und kommt nach Klagenfurt, um am 6. November, also genau am 130. Geburtstag von Robert Musil, die drei Porträts auf den neuen, zum Hauptbahnhof hin gerichteten, Eingang des Musil Hauses zu sprayen. Wir freuen uns alle schon sehr darauf. Möge die Übung gelingen.

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"Why don´t you ask one of the best street-artists, if he would like to create portraits of Christine Lavant, Ingeborg Bachmann and Robert Musil on the new portal of the Musil Museum, why don´t you ask Jef Aérosol to do it?", Willy Haslitzer the head of the ORF-studio in Klagenfurt said to us after the awarding of the Bachmann-Prize. The ORF is the Austrian Broadcasting Corporation.

The Bachmann-Prize, or the Festival of German-Language Literature, is a joint venture of the ORF studio in Klagenfurt and the Provincial capital of Klagenfurt. Soon after the awarding we, that means the involved people, discuss the whole process. In fact we are already thinking about the next festival. 

Except the fact that we are talking en passant about Jef Aérosol and Willy Haslitzers contagious enthusiasm for the work of Jef Aérosol is transferred to our souls. Because: His art work ist unique. The artist himself is thinking highly about the fact, that his pictures rather address our senses than our feelings.

The portrait is the typical form of expression of Aérosol. The artist sprays his portraits on the wall. They seem to be familiar to us, Gérard Aimé, editor of Aérosols books, says in an interview for the TV-feature "Jef Aérosol, street artist". Because we recognize ourselves in these portraits. There are no problems of understandig. We recognize the portrayed persons immediately and have direct access to them. We understand them at once, we are moved and we know why: Because these sentiments already have been part of us.

Unlike other street-artists Jef Aérosol has his roots in Rock 'n' Roll music, in the counterculture of the sixties, says Aérosols friend, the rock-critik, musician, singer and writer Patrick Eudeline. So it is not surprising that Jefs large-scale collection of LP´s is one of the most important sources of inspiration for him. You have read correctly. We are talking about vinyl.

Jef Aérosol wears boots, his music is Rock 'n' Roll music. And he is working with stencils, "pochoirs" in french. That is a kind of "trademark" for his work. The stencil art, says Aérosol, originated from Pop-Art of the sixties. The artist sees his own portratits as photo-graphics, as he works with photographs which are reduced to black-and-white nuances.

To cut a long story short, you sense it having read the last lines: Jef Aérosol has accepted to do this work. He has adapted photographs of Christine Lavant, Ingeborg Bachmann and Robert Musil in the meantime and will come to Klagenfurt to spray portraits of those great writers on the new portal of the Musil Museum, which is adjusted to Klagenfurts Main Railway Station now. We are looking forward to that event. May the exercise be successful!

 

7.11.10 22:51, kommentieren

Haben Sie schon einen Termin im Streichelinstitut?

Wenn nicht, dann wird´s aber Zeit. Das Schöne daran ist, dass Terminvereinbarungen unter der ISBN-Nummer 978-3-8353-0619-6 jederzeit vorgenommen werden können.

Möglich gemacht hat das der an dieser Stelle schon als vorzügliches literarisches Institut beschriebene Wallstein Verlag in Göttingen.

Ins Leben gerufen wurde das Streichelinstitut von Severin, eigentlich Sebastian Horvath, der wiederum ins literarische Leben gerufen wurde von Clemens Berger, jenem österreichischen Autor, der als einer von acht jungen deutschsprachigen Autoren in diesem Jahr ein Aufenthaltsstipendium im Berliner Literarischen Colloquium (LCB), ebenfalls ein Institut von Rang auf dem weiten Feld der Literatur, erhalten hat.

Clemens Berger stellt sich vor, Severin Horvath eröffne sein Streichelinstitut in der Wiener Mondscheingasse im 7. Wiener Gemeindebezirk (Neubau). "Ganz Wien ist begeistert - und die Leser auch", notierte Jan Wiele in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über den Roman. Selbiges kann ich auch von jenen Leuten, die Ende September Bergers Lesung im Klagenfurter Musil Haus besucht haben, berichten. Viele von ihnen waren an diesem Abend auch in ihrer Eigenschaft als LeserInnen im Haus, am Büchertisch gab es jedenfalls nach der Lesung kein Exemplar mehr!

Was kein Wunder ist. Clemens Berger versteht es nämlich vorzüglich jene vielen Themen, die seiner Ideenquelle entspringen, in diesem, durchaus auch gesellschaftskritischen, Roman zu verknüpfen. Severin Horvath wird als ein "verbummelter" Student eingeführt, der sich durch sein Institut zu einem "Homo oeconomicus" entwickelt. Die Ökonomie ist ein ganz wichtiges Thema in diesem Buch. Aber auch die Philosophie, Beziehungen und natürlich auch die Erotik. Die Haut, der Arbeitsgegenstand des Meisterstreichlers Horvath, ist ja eines unserer wichtigsten Organe zur Weltwahrnehmung.

Erotik. Natürlich. Severins Freundin Anna, Assistenin am Institut für Philosophie der Universität Wien, hat die Regel Nummer 1 für das Streicheln aufgestellt: "Niemals unter der Gürtellinie". Hält sich Severin auch an diese Regel? Ich sage nur soviel: Eine der wichtigsten Klientinnen des Streichlinstituts wünscht sich, nach den Prinzipien der Yoni-Massage gestreichelt zu werden. Käme es dazu, Severin Horvath wäre in der Lage auch diesen Wunsch "fachgerecht" zu erfüllen und Clemens Berger wiederum wäre in der Lage, diese Situation "fachgerecht" zu beschreiben. Um das heraus zu kriegen, vereinbaren Sie am besten einen Lesetermin mit dem Streichelinstitut. Die Nummer kennen Sie ja.

8.9.10 19:06, kommentieren